Wahlkampf 98 - mit der APPD auf Tour oder:

Die Abenteuer eines lustigen Farbeimers

Ein Tourbericht von Hurrican Mitch

Heuer gab es den Bundestagswahlkampf und alle Parteien bettelten uns, die mächtigen Kassierer, an, doch für sie ein bißchen Werbung zu machen. Aufgrund unserer großen Volksnähe lag es quasi in unserer Macht, einen Kandidaten unserer Wahl zum Kanzler zu machen. Bei Schäuble störte uns allerdings das Quietschen seines Rollstuhls und Schröder war uns zu prollig. Daher entschieden wir uns für einen kultivierten und angenehmen jungen Mann, den Schwarm aller Schwiegermütter: Karl Nagel. Wir sollten es nicht bereuen. Im September ging es mit der APPD auf Gehirnwäschetour und diese sollte ihrem Namen alle Ehre machen. Mit auf Tour kamen Weihnachtsstern Jeschke, Gewalttäter Spiller und Bernhard, ein Schrank von einem Skinhead.
Los ging es in Düsseldorf. Zu dem Gig gibt es eigentlich nichts besonderes zu berichten, außer daß ich Fabsi zuerst für Campino ohne Perücke hielt. Naja, der Irrtum klärte sich schnell auf und Fabsi spielte dann auch noch seine Bremer Weisen. Auch gab es hier tatsächlich einen Videobeamer für das Parteivideo, welches sich als lustiges Machwerk entpuppte. Anschließend torkelte das Schattenkabinett auf der Bühne herum und zog sich aus. Ich glaube, weil an diesem Abend Geld vom Publikum für diesen Zweck gespendet wurde. Der Kanzler sprach und ich spürte zum erstenmal das prickelnde Charisma dieses Mannes. Anschließend spielten wir im schlecht beschallten Zakk unser einmaliges, noch nie dagewesenes Programm und wurden völlig zu Recht frenetisch bejubelt. Am nächsten Morgen flogen die Minister für Gesundheit und Arbeit, Wolfgang Wendland und Erich Zander, zur Talkshow von Arabella nach München. Dort reizten der in allen Farben des Regenbogens tätowierte Erich und der Verbalerotiker Wolfgang einen Fascho, der nur Arbeit, Arbeit, Arbeit im Sinn hatte bis zur Weißglut. Arabella mußte den Fascho in den Schwitzkasten nehmen und ihm mit ihrem gewaltigen Busen die Luftzufuhr abschneiden, damit er sich beruhigte. Abends waren dann die beiden Minister, Lufthansa machts möglich, schon wieder in Berlin, wo es das zweite Konzert gab. Endlich durften die Kassierer auch mal in Westberlin spielen. Dafür waren wir dankbar. Fasziniert beobachtete ich, wie sich der Kanzler backstage mit einstudierten Gesten auf seine Rede vorbereitete („Liebe Sozialschmarotzer, liebes Stimmvieh"). Ja, der Mann verstand es, den Nerv der Meute zu treffen.Nach einer Nacht in Kreuzberg ging es weiter nach Hamburg. In der wie immer völlig atmosphärelosen Markthalle kam es dann zum Eklat: während der Kanzlerrede stürmte ein verrücktgewordener Hippie die Bühne. Beim folgenden Gerangel zog sich Nagel einen Hexenschuß zu! Es tat gut, endlich einmal prügelnde Minister aus der Nähe zu sehen. Davon bitte mehr in den Parlamenten der Welt! Am nächsten Tag zog die Karawane weiter nach Peine im Herzen Niedersachsens. Dort wartete auf uns ein sogenannter Nightliner. Dabei handelte es sich nicht um eine TV- oder Comicfigur sondern um einen Reisebus.
Der Bus war auf Musikerbedürfnisse umgebaut (Drogenverstecke, kuschelige Kojen, in den noch das Sperma unserer Vorgänger klebte).Der Fahrer war ein Metaller, welcher uns gestand, daß die gesamte Karosserie des Fahrzeugs aus gepreßtem Hanf bestand. So rauchten wir dann während der weiteren Fahrt den Bus langsam auf.Im UZ Peine gab es das bis dato beste Catering, herrliche Hähnchenschenkel in unbegrenzter Anzahl. Darüber freute sich besonders unser Gitarrist Niko, der Geflügel und Fisch über alles liebt. Ich weiß, er ist zu bescheiden, dies zuzugeben, aber kein Veranstalter kann Niko eine größere Freude machen als Fisch und Geflügel in rauhen Mengen zu servieren. Wahlweise auch Fisch in Geflügelsauce oder Geflügel mit Fischsalat. Außerdem hatte an diesem denkwürdigen Abend der lustige Farbeimer Premiere. Ich zeigte, wieviel Freude man mit einem lustigen Farbeimer haben kann.
Daher wurde der lustige Farbeimer auch ins Kassierersortiment aufgenommen und ist ab sofort beziehbar Heini, der Justizminister verbrüderte sich noch mit einem psychotischen Penner. Wie wir erfuhren war dieser Penner, der ehemalige Tourmanager unserer Konzertagentur Destiny und war im letzten Jahr von seinen Bands in Peine ausgesetzt worden. Da das Aussetzen von Tourmanagern traditionell in Peine stattfindet, wollten wir keine Ausnahme machten. Schon der Volksmund weiß: in Peine hört dich niemand schreien. Wir stellten also unseren lieben Leo vor die Wahl: Aussetzen oder Analweiterung. Er zog letzteres vor und kam so zu wertvollen neuen Erfahrungen. Auch war wieder einmal der verrückte Fotograf dabei. Dabei handelt es sich um einen älteren Herrn, der alle halbe Jahre auf unseren Konzerten auftaucht, uns mit Fotos vom letztenmal beschenkt, das Catering auffrißt und alle Radarfallen auf dem Weg nach Kassel kennt. Er kann darüberhinaus zu jedem beliebigen Sachverhalt detailliert und kompetent Auskunft geben. An diesem Abend knipste er uns, das tut er immer. Mit einer Kühltasche voller Hähnchenschenkel verschwand er dann.Weiter gings nach Bremen. Hier trat gleichzeitig zu unserem Konzert ein Plagiator des Kanzlers auf, ein gewisser H. Kohl. Das Essen in Bremen war, sagen wir mal, frugal. Zu unseren großen Freude hatte sich Karl Nagel von dem feigen und infamen Anschlag in Hamburg erholt und wurde unter großem Hallo im Rollstuhl auf die Bühne gewuchtet. Später mußten wir dann noch mit den Ministern unglaubliche Mengen von Drogen konsumieren. Leo bekam gegen seine Schmerzen im After eine Extradosis Opium. Weil wir gerne lange und ausgiebig Bus fahren, reisten wir sodann gen München. Hier konnten wir uns endlich wieder satt essen.
Ein verlorener Sohn, der Außenminister Don Chaos, brach seinen Fickurlaub ab und kehrte in den Schoß der Partei zurück.Mit einer Machete köpfte er eine wehrlose Melone und schleuderte die saftigen Stücke ins Publikum. Lecker! Auch war wieder einmal Fernsehen da. Stern-TV drehte schöne Portraits der Minister. Die Bildungsministerin ließ es sich wieder einmal nicht nehmen, zu unserem Song „Mach die Titten frei, ich will wichsen" blank zu ziehen. Auf diese Ungeheuerlichkeit angesprochen sagte sie mir, „Eh ich ne Rede halte, zieh ich mich lieber aus. Da kann man nichts falschmachen." Diese weisen Worte hallten lange in mir nach. Der Gaststar an diesem Abend war übrigens nicht SS-Siggi, sondern der Blödelbarde Siggi Pop, welcher wie immer die Halle zum kochen brachte. Alle waren fröhlich.
Am nächsten Tag erwachten wir im herrlichen Leipzig. Die Stadt war zuplakatiert mit Textkopien unseres Hits „Großes Glied". Darunter stand irgendwas von Sexisten. Das versüßte uns den Tag. Bald traf auch die Terrorgruppe mit 3 Sattelschleppern, einem Kamerateam und einem surinamesischem Leibkoch ein. Die P.A. im Laden war unterstes Zonenniveau, einige Menschen(?) ,offensichtlich Terrorgruppen- Fans sangen gemeinsam „Punks und Skins gegen links", konnten sich dann einem Rauswurf nur durch Flucht entziehen und der Justizminister röchelte bei seiner Rede:"Bombe, Bombe." Tja, Leipzig war schon immer eine Reise wert.Frankfurt am Main war die nächste Station unserer Reise. Bisher hatten wir in dieser schönen Stadt erst ein Konzert in einem Vorort geschafft. Jetzt hatten wir es in die renommierte Batschkapp geschafft, die von humorlosen Sicherheitskräften bewacht wurde, die sich aber gewählt und langatmig ausdrücken konnten. Heini versuchte sich in einer schlagkräftigen Form der Rechtssprechung und verbrachte den Rest des Abends rot und blau geschminkt. Sound und Essen waren aber gut, die Bildzeitung war da (und wir drin) und nannte das Konzert „Unterhaltung für Bekloppte". Dann mußten wir uns der Groupies heftigst erwehren . Ein Nightliner ist halt erotisch und man konnte sie kaum davon abhalten, über uns herzufallen. Der Nightliner hatte übrigens inzwischen gewechselt, wir wurden jetzt von einem Zonenossi mit höchsten Intelligenzgrad kutschiert. Das sollte sich später noch auszahlen!
Die Tour neigte sich langsam den Ende entgegen. Wir knobelten wieder einmal darum, wer heute an Leo ran durfte und fuhren weiter nach Freiburg. Dort traten wir in einer Art Schulaula auf. Morgens machte mich eine Putzfrau an, weil ich mit Straßenschuhen durch die Halle ging. Was mag die gute Frau erst einen Tag später gesagt haben? Der Gig war geil, die Kassierer wie immer in Höchstform und halb Süddeutschland da. eiter so, ein Auftritt noch und wir durften endlich heim zu unseren Jobs als Anlageberater, Amtsleiter und Zahnarzt! Doch zwischen uns und Jena hatte der liebe Gott die Polizei gesetzt. Auf einem Rastplatz im Nirgendwo weckten uns die Grünen und wollten die Papiere des Fahrers sehen.

Dabei stellte sich heraus, daß der Bus gar nicht versichert war. Rasch wurde selbiger stillgelegt. Hocherfreut versenkten wir den Busfahrer mit Betonschuhen im nächsten Kanal, nahmen uns zwei Sportwagen zur Miete und brausten nach Jena, der verrückte Fotograf war wieder da und spendete seinen Trost. Die Taschen voller Geld ging es heimwärts, ich beschloß, im Herbst gnadenlos in Mittelamerika zu wüten und Karl Nagel wurde Bundeskanzler.
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